Mögliche Ursachen selektiver Essstörungen

Heute wollen wir mal schauen was alles eine Ursache für selektives Essverhalten sein kann. Es ist nämlich nicht unbedingt so dass das Kind nicht essen will nur weil es einen Machtkampf austrägt, oft hindert es etwas daran, es gibt fast immer versteckte Gründe wenn Kinder die Auswahl an Lebensmitteln stark einschränken. Wenn auch die Gründe später beseitigt sind, kann das Essverhalten trotzdem eingeschränkt bleiben.

Es gibt einige medizinische Gründe die das Essen unangenehm oder sogar schmerzhaft machen können. Kinder vermeiden es dann zu essen obwohl sie hungrig sind. Es ist leider auch oft so dass Essstörungen bleiben wenn die Ursache beseitigt ist, einfach weil das Kind mittlerweile Angst hat dass sich die negativen Erfahrungen wiederholen. Daher sollte man immer schauen ob es gesundheitliche Gründe gibt die man ausschalten kann. Ob es nun Sodbrennen, Reflux, Allergien oder Intoleranzen sind – es sollte immer nachgeprüft werden wenn man so einen Verdacht hat.

Andererseits gibt es motorische Probleme und physiche Konditionen die es schwierig machen das Essen zum Mund zu bringen oder wiederum ordentlich zu kauen. Oft übersehen ist ein zu starkes/kurzes Lippenbändchen das bei kleinen Kindern Schwierigkeiten mit dem Kauen hervorrufen kann – obwohl sie vielleicht bis dahin keine Probleme mit dem Stillen hatten. Manchmal entwickelt sich die Fähigkeit die Zunge seitwärts zu bewegen erst spät oder gar nicht, was das Kind verhindert härtere Sachen zu essen, nur weiche, cremige, breiartige Sachen können dann sicher bewältigt werden. Wenn es mit ca. 15 Monaten immer noch nicht mit dem richtigen Kauen klappt, sollte ein Fachmann das Kind untersuchen.

Auch sensorische Schwierigkeiten oder Besonderheiten können oft ein Grund für schwieriges Essverhalten sein. So wie es Kinder gibt die empfindlich auf Etiketten in Kleidung reagieren oder auf zu enge oder zu weite Kleidung (oft, aber nicht ausschließlich gesehen bei Kindern aus dem autistischen Spektrum), gibt es auch Kinder die besonders empfindlich auf Gerüche oder Teksturen reagieren. Kinder die nur knusprige Sachen oder wiederum nur cremiges Essen bevorzugen gehören oft zu dieser Gruppe. Oft wollen Kinder nicht dass sich verschiedene Lebensmittel berühren, dies ist in bestimmtem Alter ganz normal, wer aber besonders empfindsam ist wächst aus dieser Phase nicht einfach heraus. Viele von uns haben als Kinder verschiedene Lebensmittel nicht gemocht. Macht euch mal Gedanken warum ihr sie nicht gemocht habt. Mit der Zeit kann man lernen auch Essen zu mögen was man früher einmal nicht mochte, aber für die meisten Erwachsenen gibt es etwas was sie immer noch nicht so richtig über die Lippen bringen (für mich sind es zum Beispiel Garnelen). Und Vorlieben haben sowieso alle, ob eher deftig oder süß, knackig oder sehr scharf…

Für einige der Kinder die Probleme mit der Sensorik haben ist es eventuell schwierig auf Hunger und Satt-Signale zu hören, dies kann aber von den allermeisten Kindern erlernt werden. Die meisten Probleme dies betreffend kommen im Endeffekt eher wegen Angst, zu viel Druck oder Konflikten, Ablenkung oder der ständigen Möglichkeit ein wenig zu essen (das sogenannte Grasen – wenn man immer nur ein wenig isst, damit das schlimmste Hungergefühl weggeht).

Auch Temperament und die tägliche Laune können das Essverhalten steuern, was als harmloses Testen des eigenen Willens anfängt („das will ich allein!“ oder „das will ich nicht!“), kann mit der Zeit zu einem richtigen Machtkampf entarten, ohne dass man es so richtig merkt.

Negative Erfahrungen können auch ein guter Grund sein das Essen zu verweigern. Besonders wenn es früher medizinische Probleme gab (zum Beispiel Sodbrennen, das Kind hatte sich schlimm verschluckt oder ihm wurde schlecht nach dem Verzehr eines Lebensmittels).

Ihr sehr also, es gibt viele mögliche Ursachen. Auch wenn man manche von denen „abschaltet“ bleibt oft trotzdem eine „Übervorsicht“ neuem Essen gegenüber bestehen, die man dann mit verschiedenen Methoden versuchen kann zu besiegen. Dies kann aber auch viele Jahre dauern.

Detaillierter könnt ihr, falls ihr englisch könnt, in dem Buch Helping your child with extreme picky eating von Katja Rowell, MD und Jenny McGlothlin, MS, SLP dazu lesen, wo auch eine Methode vorgestellt wird mit der die beiden vielen Ihrer Patienten schon geholfen haben ihre Probleme zu verringern.

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